Landtagsvizepräsident Daniel Born und Gabi Rolland besuchen AWO und NS-Dokumentationszentrum

Veröffentlicht am 09.03.2023 in Aktuelles

Auf ihrer ersten Station wurden Gabi Rolland MdL und Daniel Born MdL von Sarah Sonner, Geschäftsführerin der AWO Freiburg Ambulante Dienste gGmbH, begrüßt. An dem Termin nahmen auch Architekt Joachim Franz, dessen Büro für die Planung der umfassenden Sanierungen und Erweiterungen der AWO-Gebäude in Weingarten verantwortlich ist, und Cornelia Hochmuth, Abteilungsleiterin des Bereichs Vermietungen, teil.

Bei einem Rundgang durch das sanierte und erweiterte Haus Sulzburger Str. 4 erläuterte Franz, dass die Häuser, die Anfang der 1970er Jahre gebaut worden waren, im laufenden Betrieb saniert und erweitert worden seien. Unter Verwendung von Beton und Stahl entsprächen alle Häuser den Vorgaben für einen Neubau-Standard. Es handele sich also nicht um sanierten Altbau. Architektonisch hebe sich das AWO-Quartier nicht von den umgebenden Miethäusern der Freiburger Stadtbau ab. Um aber eine eigene Note zu erhalten, sei bei den AWO-Häusern auf einen künstlerischen Effekt mit verschiedenen Farben gesetzt worden.

Bei den Sanierungen und Erweiterungen der Häuser seien auch die Wünsche und Ansprüche der Bewohner:innen wie des Pflegepersonals berücksichtigt worden. Besonderes Augenmerk sei darauf gelegt worden, barrierefreie Wege und Zugänge draußen sowie barrierefreie Wohnungen mit Balkonen innen einzurichten. Viele Wohnungen seien auch für eine rollstuhlgerechte Nutzung hergerichtet, in dem im gesamten Wohnbereich mehr Platz geschaffen wurde. Ebenso seien bei sämtlichen Bau- und Sanierungsmaßnahmen umweltverträgliche Gesichtspunkte berücksichtigt worden: Um keine zusätzlichen Flächen zu benötigen, sei im Bestand nachverdichtet worden. Zudem seien die Häuser und Wohnungen energetisch saniert worden, um über Wärmedämmung Energie einzusparen.

Das Besondere an dem Gebäude mit der Hausnummer 4 ist, dass die Räumlichkeiten im Erdgeschoss seit kurzem öffentlich genutzt werden. Hier befinden sich nun eine Tagespflege mit 20 Plätzen und der Ambulante Pflegedienst. Um in der Tagespflege die Gemeinschaft zu stärken, gibt es im Aufenthaltsraum große Tische, an denen Gruppen Platz finden. Außerdem wird derzeit noch ein gemütliches Kaminzimmer eingerichtet.

Nach dem Rundgang informierten sich Rolland und Born über die Finanzierung der Bau- und Sanierungsmaßnahmen. Vor allem Architekt Franz bemängelte, dass bei den gesamten Bau- und Förderprogrammen die bei den Maßnahmen geleistete Prävention nicht berücksichtigt werde. Außerdem gebe es zwar unterschiedliche Programme, etwa das Städtebauförderungsprogramm oder eines zur Energetischen Sanierung, diese seien aber nicht miteinander kompatibel.

Besprochen wurde auch, dass bei der Berechnung der förderfähigen Baukosten ein Darlehens-Tilgungszuschuss berücksichtigt wurde. Dies hatte zur Folge, dass die AWO Freiburg einen deutlich höheren Betrag an Eigenmitteln investieren musste. Gabi Rolland hatte sich deshalb Ende vergangenen Jahres auch an das Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen gewandt. In seiner Antwort hatte das Ministerium darauf hingewiesen, dass Bauherren zwar Mittel aus der Städtebauförderung und aus der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) abrufen können. Um aber eine „Überförderung“ zu vermeiden, sei ein gewährter Tilgungszuschuss von den förderfähigen Baukosten abzusetzen.

Daniel Born versprach, im Strategiedialog Bauen und Wohnen, den die Landesregierung im vergangenen Jahr eingesetzt hatte, das Thema Projektförderung anzusprechen, und darauf zu drängen, dass bei der Bauförderung der Bauträger künftig stärker beachtet werden müsse.

Als zweiter Termin stand dann der Besuch des Dokumentationszentrum Nationalsozialismus der Stadt Freiburg an. Bürgermeister Ulrich von Kirchbach und Julia Wolrab, die wissenschaftliche Leiterin der Einrichtung, empfingen neben Gabi Rolland und Daniel Born als weitere Gäste Christoph Ebner, Vorsitzender des Fördervereins Dokumentationszentrum, und fünf Schülerinnen und Schüler der Gewerblichen und Hauswirtschaftlich-Sozialpflegerischen Schulen in Emmendingen.

Anschließend führte Frau Wolrab über die derzeitige Baustelle des Dokumentationszentrums. Hier entsteht auf ca. 800 Quadratmetern eine Einrichtung, die sich mit der Geschichte Freiburgs in der Zeit des Nationalsozialismus befasst. Die künftigen Räumlichkeiten befinden sich in einem Gebäude am Rotteckring, das 1936 als Verkehrsamt der Stadt Freiburg im Stil der NS-Architektur errichtet worden war. Die Pläne für das Haus hatte der Architekt und Stadtbaumeister Joseph Schlippe entworfen. Das Rathaus hatte ihn nach der nationalsozialistischen Machtübernahme beauftragt, einen Generalbebauungsplan für den gesamten Rotteckring auszuarbeiten.

In der ehemaligen Schalterhalle wird sich künftig ein Empfangsraum befinden. Daran wird sich ein erster Ausstellungsraum anschließen, der sich mit der Zeit der Weimarer Republik befassen wird. Weitere Ausstellungsräume widmen sich der der Zeit der NS-Diktatur bis zu ihrem Untergang und dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945, der Nachkriegszeit und dem Umgang mit der nationalsozialistischen Vergangenheit sowie dem Wandel in unserer Erinnerungskultur bis in unsere Gegenwart.

Bei den Bauarbeiten ist hinter einer Wand auch ein großflächiges Gemälde aus der NS-Zeit entdeckt worden. Bis auf einen sehr kleinen Ausschnitt befindet sich das Gemälde noch hinter der Wand. Es handelt sich um ein Werk von Theodor Kammerer aus dem Jahr 1939, in dem Menschen, die dem NS-Idealtypus entsprächen, vor einer Waldkulisse dargestellt seien. Eine Skizze dieses Gemäldes liegt den städtischen Museen als Skizze vor. Da dieses Gemälde aus Gründen des Denkmalschutzes ganzteilig erhalten bleiben muss, ist davon auszugehen, dass die Baupläne geändert werden müssen und folglich die Fertigstellung des Dokumentationszentrums verzögert wird.

Im Untergeschoss ist der ehemalige Luftschutzkeller samt einer Gasschleuse erhalten. An den Wänden im Vorraum ist bei Dunkelheit auch die selbstleuchtende Farbe zu erkennen, die angebracht worden war, um sich bei einem Stromausfall dennoch orientieren zu können. Im Innenhof des Hauses wird ein Gedenkraum gebaut, in dem an die jüdischen Gemeinden, Sinti und Roma und andere Verfolgte und Opfer des Nationalsozialismus erinnert werden soll. Der Raum wird in Form eines begehbaren Kubus mit einem Glasdach gestaltet. Zur Würdigung der Opfer werden deren Namen auf der Außenwand des Kubus angebracht werden.

Um darzustellen, wie die Menschen in die nationalsozialistische Volksgemeinschaft eingeschlossen oder aber aus ihr ausgeschlossen wurden, soll anhand von sieben Stationen aufgezeigt werden. Dabei werden Personen vorgestellt, die in sieben Institutionen bzw. Gebäuden in Freiburg arbeiteten, etwa in der Universität Freiburg oder im Basler Hof, der von 1933-1941 Sitz der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) war.
Etwa 150 Quadratmeter Fläche im Dokumentationszentrum sind für Workshop- und Sonderausstellungsräume eingeplant. Für die Planung und Durchführung von Veranstaltungen unterschiedlicher Formate besteht auch eine enge Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung (LZfpB). Denn das Dokumentationszentrum sieht es als seine Aufgabe an, unter seinem Dach stilles Gedenken mit Formen des Lernens, Diskutierens und auch Streitens miteinander zu verknüpfen.

Nach dem Rundgang fand sich die Gruppe noch zu einer Gesprächsrunde in der oberen Gerichtslaube des Rathauses ein. Vor allem die Schülerinnen und Schüler nutzten die Gelegenheit, interessierte und kundige Fragen zu stellen. Julia Wolrab betonte, dass es Bestreben des Dokumentationszentrum Nationalsozialismus sein werde, möglichst viele Menschen zu erreichen. Deshalb sollen nicht nur Schulklassen und Gruppen aus südbadischen Regionen angesprochen werden, sondern auch die Menschen jenseits der Landesgrenzen. Deshalb werden auf jeden Fall auch Führungen in englischer und französischer Sprache angeboten werden.

Bürgermeister von Kirchbach nutzte die Gelegenheit, für eine bessere finanzielle Ausstattung zu werben. Die Investitionskosten belaufen sich auf eine Summe von 4,9 Millionen Euro. Dazu kommen noch die Ausgaben für die Einrichtung. Der Förderverein wurde auch gegründet, um diese wichtige Einrichtung zu unterstützen, und setzt sich für die Werbung weiterer Gelder ein. Das Land Baden-Württemberg leistete bislang keinen Beitrag zur Förderung des Dokumentationszentrums. Gabi Rolland und Daniel Born sehen es als ihren Auftrag an, dies zu ändern.

Daniel Born formulierte in seinem Schlusswort die passenden Sätze: „Das Dokumentationszentrum Nationalsozialismus Freiburg wird uns zeigen, wie räumlich nahe uns die Schrecken der NS-Zeit auch hier in Südbaden waren. Das ist nicht nur Vergangenheitsbewältigung, sondern auch wichtig für unsere Zukunft: Denn der Blick in unsere dunkle Vergangenheit lehrt uns, wie wichtig es ist, für unsere Demokratie einzustehen und sie nicht mit denen allein zu lassen, die sie zerstören wollen!“

 
 

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